Bücher, Sommer, Sonne, Strand, Technik

Ich liebe technisches Spielzeug und bin mir fast sicher, dass die türkische Polizei mich wegen Spionageverdacht am Atatürk Flughafen festnehmen wird, wenn ich in eineinhalb Wochen in meinen wohlverdienten Urlaub fliegen werde – im Handgepäck mein Netbook, Touchscreenhandy, Digitalkamera, Diktiergerät, eBook Reader …

Mein neustes Spielzeug: ein eBook Reader

Technische Geräte nehme ich bei Reisen grundsätzlich ins Handgepäck, man weiß ja nie … als ich nach Weihnachten zurück nach Istanbul kam, bekam fast die Hälfte meiner Mitreisenden ihr großes Gepäck erst zwei Tage später, weil sich im Flugzeug eine dieser riesigen Metallkisten im Laderaum verklemmt hatte und alles aufgeschweißt werden musste. Auch Bücher lasse ich ungern im Koffer. Ich liebe Bücher, ich kann nicht einmal richtig schlechte wegwerfen. Manchmal gehe ich einfach in türkische Buchhandlungen um den geliebten Geruch frisch gedruckter Bücher einzusaugen. Aber Bücher wiegen und mein Gepäck sieht auch ohne sie grundsätzlich so aus, als würde ich für drei Jahre auswandern. Doch gibt es für jede Lösung ein Problem, in diesem Falle sogar ein neues Spielzeug, das mir meine Freundin D. präsentierte: ein eBook Reader.

Nachdem ich einen ganzen Vormittag mit D.s Reader spielen durfte, wollte ich auch unbedingt einen haben. Nur waren sie im Saturn ausverkauft, im TeknoSA gab es mein gewünschtes Modell nicht mehr, aber so entdeckte ich immerhin, dass es auch in Beşiktaş einen Mediamarkt gibt (und noch fantastischer: direkt nebenan einen Real mit Schweineschinken und Schweinesalami und Mischbrot und Tiefkühlgemüse). Gestern Abend trug ich dann voller Stolz meinen eigenen eBook Reader nach Hause und stelle mir nun allmählich eine Bibliothek für meinen Sommerurlaub zusammen. Diese zehn Bücher werden als erstes gelesen:

  1. Leo Tolstoi: „Anna Karenina“ – 1. Ich mag Romane des Realismus. 2. Ich mag Familiendramen. 3. Der Anfang ist f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h: „Die Rache ist mein, Ich will vergelten. — Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich.“
  2. Mit dem Körper in Dänemark, mit dem Kopf im Berlin der 1920er Jahre

    Hans Fallada: „Kleiner Mann – was nun?“ – Ich liebe Fallada. Ich habe sogar Uniseminare zu seinen Werken belegt. Die 1920er und die Neue Sachlichkeit liebe ich auch. Nicht zu vergessen Lämmchen, den Jungen und den Murkel. Das Buch kann ich jedes Jahr wieder lesen.

  3. Stephen King: „Das Leben und das Schreiben“ – Habe ich noch nicht gelesen, aber der Anfang ist viel versprechend. Merke: bei persönlichen Geschäften in der freien Natur nicht giftige Efeublätter zum Abwischen benutzen.
  4. William Strunk Jr.: „The elements of style“ – Dieses kurze Buch empfiehlt Stephen King gleich zu Beginn seines „Das Leben und das Schreiben“. Da ich selbst ungern meine Texte überarbeite, kann es nicht schaden, mal ein paar Tipps zu lesen. Vielleicht bleibt ja sogar etwas hängen.
  5. Andreas Schwalbe: „Jorgan“ – Dieser Fantasyroman wurde mir empfohlen und zwar vom Autor höchstpersönlich. Ich bin gespannt, nachdem ich bereits den Prolog gelesen habe, und will nun wissen, wie es mit Ondra, Gota und Jorgan weitergeht.
  6. Ahmet Şık: „İmamın ordusu“ (Die Armee des Imam) – Im Moment eher ein Statement als dass ich das Buch lesen kann. Der Autor, ein türkischer Journalist wurde in diesem Frühjahr wegen diesem unveröffentlichten Manuskript festgenommen. Dubiose Durchsuchungen fanden statt, das Manuskript wurde verboten und seitdem fleißig im Internet verteilt. Da ich aber auch wenigstens ein richtiges Buch, nämlich das zum Türkischlernen, einpacken werde, habe ich Hoffnung, auch Şıks Buch bald verstehen zu können.
  7. Franz Kafka: „Die Verwandlung“ – Muss ich als Lektüre fürs nächste Schuljahr lesen, aber die Geschichte ist ohnehin super. Also jedenfalls so lange ich nicht zu viel Ungeziefer in meiner dänischen Ferienwohnung finden werde.
  8. Max Frisch: „Homo Faber“ – Ebenfalls Schullektüre, aber ich mag Frischs Schreibstil und auch gern Bücher über gescheiterte Identitäten. Außerdem ist der Protagonist äußerst rational, also quasi das absolute Gegenteil von mir. Spannend.
  9. Thomas Mann: „Buddenbrooks“ – Noch ein Familienroman, noch einmal Scheitern und diese Geschichte spielt in Norddeutschland, also dort, wo ich herkomme.
  10. Oscar Wilde: „The picture of Dorian Gray“ – Der einzige Roman des Iren Oscar Wildes, von dem wohl alle den ein oder anderen geistreichen Spruch kennen. Und hey, ich würde auch gern altern, ohne dass man es mir äußerlich ansieht (obwohl, tue ich ja gerade, in den letzten Wochen schätzen mich alle auf 21 oder 22 ^^).

Mit dieser ersten Lektüreauswahl dürfte mir wohl in meinem Einsiedlerurlaub nicht langweilig werden. Es sei denn, der eBook Reader stürzt ab, so meiner D. letztens passiert, als sie einen ganzen trüben Tag mit Lesen verbringen wollte.

© Wildkatze

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